Shopware vs. Shopify: der ehrliche Vergleich für den deutschen Markt

Tobias 11 min Lesezeit

Du willst einen Onlineshop bauen - und stehst vor der ersten Gabelung, bevor du überhaupt ein Produkt eingepflegt hast: Shopware oder Shopify? Jeder Vergleich, den du liest, kommt zu einem anderen Ergebnis, weil jeder von jemandem geschrieben wurde, der eins von beiden verkauft. Am Ende stehst du mit mehr offenen Tabs da als am Anfang - und keiner Entscheidung.

Genau da setzt dieser Guide an. Er ist von niemandem gesponsert, der Shopware oder Shopify verkauft. Er beantwortet die eine Frage, die vor der Systemwahl steht: Was passt zu deinem Business - und was besitzt du am Ende davon? Und er nennt eine dritte Option, über die in den meisten Shopware-vs-Shopify-Vergleichen gar nicht gesprochen wird.

Die Kurzantwort - vorweg, ehrlich

  • Shopify ist die schnellste Art, überhaupt online zu verkaufen - eine Miet-Plattform aus Nordamerika, bei der du dich um Technik nie kümmerst, dafür monatlich zahlst und pro Verkauf mitzahlst. Richtig, wenn du sofort loslegen willst und Bequemlichkeit über Eigentum stellst.
  • Shopware ist ein deutsches System, gebaut für den deutschen Markt und für Shops mit eigenen Anforderungen - es gibt eine gemietete Cloud-Variante und eine, die du auf deinem eigenen Server betreiben kannst. Richtig, wenn du Kontrolle willst und die technischen Ressourcen (oder einen Dienstleister) dafür hast.
  • Der eigene Stack (WooCommerce auf deinem Server) ist die dritte Tür: Open Source, kein Miet-Plan, keine Gebühr pro Verkauf - der Shop und alles daneben gehören dir. Richtig, wenn dir Unabhängigkeit und niedrige laufende Kosten mehr wert sind als eine Plattform, die dir die Verantwortung abnimmt.

Kein System ist „das beste". Es gibt nur das, das zu deiner Lage passt. Die fünf Dimensionen unten zeigen dir, welche das ist.

Der Kern-Unterschied: gemietet vs. deutsch vs. dir gehörend

Bevor es um Features geht, geht es um die Bauart - denn die entscheidet über alles andere.

Shopify ist eine Miet-Plattform (SaaS). Du bekommst einen fertigen Shop, gehostet auf der Infrastruktur des Anbieters, irgendwo jenseits des Atlantiks. Du kannst ihn nicht selbst hosten, den Kern nicht verändern, den Code nicht mitnehmen. Du mietest das Recht, ihn zu benutzen - Monat für Monat.

Shopware ist ein deutsches Shopsystem aus Nordrhein-Westfalen. Das ist der entscheidende Punkt für den deutschen Markt: Es kommt von hier und ist mit den Anforderungen von hier im Kopf entwickelt. Und es ist in zwei Formen zu haben - als gemietete Cloud (ähnlich bequem wie Shopify) oder in einer Variante, die du selbst hostest und deren Quellcode offenliegt. Selbst-Hosting ist also möglich - die Daten können auf einem Server deiner Wahl liegen, auch in Deutschland.

Der eigene WooCommerce-Stack ist konsequentes Eigentum: WordPress plus WooCommerce, komplett Open Source, auf deinem eigenen Server (z. B. bei Hetzner in der EU). Kein Anbieter sitzt zwischen dir und deinem Shop. Verkäufe landen direkt auf deinem Konto - keine Plattform verdient pro Bestellung mit.

Dahinter steckt ein Struktur-Unterschied, über den kaum jemand spricht: WordPress und WooCommerce gehören keiner Firma, die an deinem Umsatz mitverdienen will - die Plattform selbst hat kein finanzielles Interesse an dir, und die vielen Anbieter im Ökosystem stehen untereinander im Wettbewerb um dich. Shopify ist als Unternehmen darauf gebaut, an jedem Händler laufend zu verdienen. Das ist keine Bosheit - nur eine andere Philosophie. Aber bezahlen tust du sie.

Dimension 1: Kosten-Struktur (nicht nur der Grundpreis)

Der Monatspreis ist die kleinste Zahl in der Rechnung. Was zählt, ist die Struktur dahinter.

Shopify kostet in Deutschland je nach Plan zwischen 36 € (Basic) und 384 € im Monat (Advanced); der Einstiegsplan „Grow" liegt bei 105 €, die Enterprise-Stufe Plus beginnt bei rund 2.100 €. Darauf kommen zwei Dinge, die die Rechnung mit deinem Erfolg wachsen lassen: eine Kartengebühr pro Verkauf (bei Basic 2,1 % + 0,30 € über Shopify Payments) und - wenn du einen anderen Zahlungsanbieter nutzen willst - noch eine zusätzliche Transaktionsgebühr von bis zu 2 %. Dazu die Apps für Dinge, die nicht eingebaut sind, und ein separates E-Mail-Tool. Je mehr du verkaufst, desto mehr verdient die Plattform an dir mit.

Shopware rechnet anders ab, und die Preisliste hat es in sich (Stand Juli 2026, laut Shopware-Preisseite): Die Community Edition ist Open Source und kostenlos, muss aber selbst gehostet werden. Die Cloud-Pläne starten bei Rise ab 600 €/Monat, Evolve ab 2.400 €/Monat - B2B-Funktionen wie Budgetverwaltung und Genehmigungsprozesse gibt es erst dort -, und die größte Stufe Beyond gibt es nur auf Anfrage. Dazu kommt beim Selbst-Hosting: Shopware 6 stellt spürbar höhere Server-Anforderungen als WooCommerce (mehrere Hosting-Anbieter nennen 4-8 GB RAM für größere Shops plus Shell-Zugriff) - das ist kein Nebenbei-Betrieb. Qualitativ gilt damit weiterhin: Shopware zielt auf mittlere und größere Shops mit eigenen Anforderungen - der Einstieg ist selten so voraussetzungslos wie bei Shopify, dafür bekommst du mehr Kontrolle über System und Hosting.

Der eigene Stack dreht die Kostenlogik um: Serverkosten ab 6,49 €/Monat (inkl. IPv4) (Hetzner CAX11, EU), keine Gebühr pro Verkauf, keine Monats-Lizenz, die mit deiner Liste wächst. Die Investition steckt einmalig im Aufbau - danach bleiben die laufenden Kosten flach, egal ob du 30 oder 3.000 Bestellungen im Monat machst.

Rechne nicht nur den nächsten Monat, sondern die nächsten zwölf: Plattform-Plan + Apps + E-Mail-Tool + Gebühren pro Verkauf gegen einmalige Investition + Serverkosten. Bei Shops, die wachsen, kippt diese Rechnung fast immer Richtung Eigentum.

Kostenkurve über Umsatz: Beim Miet-Modell steigen die monatlichen Kosten durch Grundgebühr und Gebühr pro Verkauf, beim eigenen Stack bleiben sie flach bei 6,49 Euro - die Schere öffnet sich mit dem Umsatz

Je mehr du verkaufst, desto weiter öffnet sich die Schere zwischen Miet-Modell und eigenem Stack.

Dimension 2: Hosting und Eigentum - wem gehört dein Shop?

Das ist die Dimension, die dir später am meisten bedeutet - und die man am Anfang am leichtesten übersieht.

Bei Shopify gehört dir dein Content und deine Kundenliste, aber nicht das System. Du kannst nicht auf einen anderen Server umziehen, keinen tiefen Eingriff machen, den Shop nicht „mitnehmen". Preiserhöhungen, geänderte AGB, abgekündigte Apps treffen dich, ohne dass du gefragt wirst.

Shopware lässt dir die Wahl: In der Cloud-Variante bist du näher am Shopify-Modell (bequem, aber gemietet). In der selbst gehosteten Variante liegt der Code offen und die Daten auf deinem Server - das ist echtes Eigentum, verlangt aber, dass du (oder jemand für dich) den Betrieb übernimmst.

Der eigene Stack ist an diesem Punkt kompromisslos: Code, Server und Daten gehören dir - ein für alle Mal. Und weil alles Open Source ist, kann jeder WordPress-Entwickler übernehmen. Kein Lock-in - auch nicht an den, der es gebaut hat.

Drei-Spalten-Vergleich: Shopify als Miete in fremder Übersee-Cloud, Shopware als Cloud oder Selbst-Hosting mit offenem Quellcode, eigener WooCommerce-Stack als Eigentum auf dem eigenen EU-Server ohne Gebühr pro Verkauf

Von gemietet bis dir gehörend - und wo die Daten liegen.

Dimension 3: der deutsche Markt (Checkout- und Rechnungs-Pflichten)

Hier zählt Herkunft. Der deutsche Markt hat eigene Regeln am Checkout: die Button-Lösung („Zahlungspflichtig bestellen"), Grundpreisangaben, klare Pflichtinformationen, Widerrufsbelehrung, im B2B Netto-Preise und Umsatzsteuer-Prüfung.

Shopware ist als deutsches System mit diesen Anforderungen im Blick gebaut - für den DE-Handel ist das ein echter Startvorteil. Shopify kommt aus einem anderen Rechtsraum; die deutschen Pflichten deckst du dort typischerweise über Zusatz-Apps und Konfiguration ab. Beim eigenen WooCommerce-Stack übernimmt das eine erprobte Erweiterung (Germanized Pro): Pflichtfelder im Checkout vorbereitet für den deutschen Markt.

Ein Satz, der für alle drei gilt und den kein Anbieter dir abnimmt: Kein System macht deinen Shop von allein rechtssicher. Die rechtliche Prüfung und die Haftung bleiben bei dir. Ein gutes System bereitet die Technik vor - die Verantwortung dafür, dass am Ende alles passt, kannst du nicht auslagern. Wer dir „rechtssicher, fertig" verspricht, verkauft dir etwas, das er nicht liefern kann.

Dimension 4: Anpassbarkeit

Shopify ist im Rahmen dessen anpassbar, was der Anbieter vorsieht - Themes, Apps, ein bisschen Code in der Storefront. Sobald du etwas willst, das über diesen Rahmen hinausgeht (eigener Checkout-Ablauf, freie Datenauswertung, ein Sonderfeature), stößt du an eine Wand, die du nicht verschieben darfst.

Shopware ist deutlich tiefer anpassbar, gerade in der selbst gehosteten Variante - dafür ist es komplexer und du brauchst Entwickler-Ressourcen, um das auszureizen.

Der eigene Stack hat praktisch keine Obergrenze: Für WordPress/WooCommerce existiert für fast alles eine Lösung, und was fehlt, lässt sich bauen. Der Wert liegt hier nicht in „es gibt Plugins für alles" - den Satz kann jeder sagen. Der Wert liegt in der Auswahl sauberer Software, die genau das tut, was sie soll, statt einen Shop mit halb passenden Apps vollzustopfen. Genau das ist der Unterschied zwischen „technisch möglich" und „läuft sauber".

Dimension 5: Betrieb - wer kümmert sich?

Ehrlich ist ehrlich, auch wenn es gegen den eigenen Weg spricht.

Shopify nimmt dir den Betrieb komplett ab: Updates, Sicherheit, Verfügbarkeit - das ist im Preis drin und der Hauptgrund, warum es so bequem ist. Shopware Cloud ähnlich; Shopware selbst gehostet und der eigene Stack verlangen, dass sich jemand um Server, Updates und Backups kümmert - entweder du oder ein Wartungs-Dienstleister.

Das ist der ehrliche Preis von Eigentum: Wer den Shop besitzt, trägt auch den Betrieb. Bei einem eigenen Stack lässt sich genau das als Wartung dazubuchen, damit „dir gehört alles" nicht heißt „du musst alles selbst machen".

Wann welches System richtig ist

Shopify ist richtig, wenn: du so schnell wie möglich verkaufen willst, dich mit Technik gar nicht befassen möchtest und die laufenden Kosten plus Gebühr pro Verkauf für dich okay sind. Für einen schnellen Start oder ein Geschäft, bei dem Bequemlichkeit klar über Eigentum steht, ist das ein legitimer Weg.

Shopware ist richtig, wenn: du im deutschen Markt mit eigenen Anforderungen unterwegs bist (etwa im B2B), Wert auf ein deutsches System legst und die technischen Ressourcen oder einen Dienstleister hast, um mehr Kontrolle auch zu nutzen. Es ist mächtiger und deutscher als Shopify - und anspruchsvoller im Betrieb.

Der eigene Stack ist richtig, wenn: dir Eigentum und Unabhängigkeit wichtiger sind als eine Plattform, die dir alles abnimmt; wenn du niedrige laufende Kosten willst, statt mit dem Umsatz mitzuzahlen; und wenn dein Shop mehr können soll als nur verkaufen - E-Mail-Automation, Kundenkartei, Workflows auf demselben Server, ohne ein Abo pro Werkzeug. Dann ist die dritte Tür deine.

Dass dieses Modell trägt, ist keine Theorie: Ich habe genau diesen Stack über fünf Jahre im eigenen Hardware-Startup betrieben - 30 Produkte, ein Shop, der real verkauft hat. Die ganze Geschichte steht in der Case Study. Der eigene Stack ist nicht zwingend billiger als komplettes Selbermachen - was du kaufst, sind die Jahre, in denen jemand die Systeme schon verglichen, verworfen und zusammengeführt hat, damit du nur noch das Ergebnis übernimmst.

Und falls dein eigentlicher Vergleich „Shopify oder WooCommerce" lautet: Den nimmt sich der Schwester-Artikel WooCommerce vs. Shopify im Detail vor.

Fazit: nicht „welches System", sondern „was besitzt du danach"

Die Frage „Shopify oder Shopware" führt in die Irre, solange sie nur Features vergleicht. Die bessere Frage ist: Willst du mieten, willst du ein deutsches System mit Wahlfreiheit, oder willst du etwas, das dir gehört? Shopify verkauft Bequemlichkeit gegen laufende Miete. Shopware gibt dir mehr Kontrolle, wenn du sie nutzen kannst. Der eigene Stack gibt dir Eigentum - und die niedrigsten laufenden Kosten, sobald du wächst.

Denn darum geht es am Ende: Entscheidungen über dein System soll niemand mehr über deinen Kopf hinweg treffen - damit du dich auf das konzentrierst, worauf es wirklich ankommt: dein Produkt und deine Kunden.

Verwandt: Plattform-Migration: der ehrliche Guide - falls du schon auf einem System bist und über einen Wechsel nachdenkst.

Häufige Fragen: Shopware vs. Shopify

Ist Shopware besser als Shopify?

Nicht pauschal. Shopware ist das deutschere, tiefer anpassbare System mit der Option auf Selbst-Hosting - dafür anspruchsvoller im Betrieb. Shopify ist bequemer und schneller startklar - dafür gemietet und mit Gebühr pro Verkauf. „Besser" hängt davon ab, ob dir Bequemlichkeit oder Kontrolle mehr wert ist.

Kann ich Shopware selbst hosten, Shopify nicht?

Ja. Shopware gibt es in einer selbst gehosteten Variante mit offenem Quellcode - deine Daten liegen dann auf einem Server deiner Wahl. Shopify ist eine reine Miet-Plattform: Selbst-Hosting ist nicht vorgesehen, der Shop läuft immer auf der Infrastruktur des Anbieters.

Shopify oder Shopware für den deutschen Markt?

Für die deutschen Checkout- und Rechnungs-Pflichten ist Shopware als deutsches System näher an den Anforderungen. Bei Shopify deckst du diese Pflichten über Zusatz-Apps und Konfiguration ab. Wichtig bei beiden: rechtssicher wird dein Shop erst durch deine eigene Prüfung - kein System nimmt dir die Verantwortung ab.

Gibt es eine Alternative zu beiden?

Ja - ein eigener Stack auf Basis von WooCommerce, Open Source, auf deinem eigenen Server. Kein Miet-Plan, keine Gebühr pro Verkauf, Code und Daten gehören dir. Ob sich das für deinen Fall rechnet, hängt von deinem Umsatz und deinen Anforderungen ab - dafür gibt es den kostenlosen Express-Audit unten.

Nächster Schritt

Bevor du dich festlegst - lass es durchrechnen.

Der kostenlose Express-Audit schaut sich deine Ausgangslage an und sagt dir konkret, was sich für dich rechnet - auch wenn die Antwort ist, dass bei dir schon alles passt.

Kostenlosen Express-Audit anfordern

Kostenlos & unverbindlich · Kein Verkaufsanruf - Tobias meldet sich per Mail · Der Report sagt dir auch, wenn alles passt.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert.